Wenn es draußen kalt wird, muss man sich eben von innen wärmen – ein kulinarischer Streifzug durch den flüssigen Wintergenuss

Zwei in Handschuhe eingepackte Hände umschließen einen Becher, aus dem es in die Luft dampft: Egal, ob beim obligatorischen Schlendern über den Weihnachtsmarkt, beim Adventssingen auf dem Marktplatz oder beim Nachbarschaftstreff rund um den Feuerkorb – um ein echtes Winterfeeling zu erreichen, benötigt man ein leckeres Heißgetränk. Wem der Kaffee oder Tee zu alltäglich ist, der greift gern zum Glühwein.

Aber man kennt das: Eine gesellige Runde von Arbeitskollegen auf dem Weihnachtsmarkt, alle haben Getränke, stoßen an – und jeder verbrennt sich Sekunden-Bruchteile später den Mund beim Versuch, diesen so köstlich duftenden Glühwein zu trinken. Die Weihnachtsbeleuchtung, die besinnliche Musik aus den Lautsprechern – die Stimmung im Stehkreis ist dahin, und dabei sollte der Glühwein doch eben jene Stimmung aufheizen.

Immerhin: Die Hände, die den Porzellanbecher umgreifen, werden schön warm. Und während man da so steht und gespannt der Kollegin aus der Buchhaltung zuhört, wie diese erzählt, dass der Neue aus der Marketing-Abteilung was mit der Kollegin an der Rezeption hat, vergisst man das Trinken. Um dann wenig später weiter zu bemerken, dass der Vier-Euro-Winzer-Glühwein jetzt nur noch bestenfalls lauwarm ist.

Es ist so eine Sache mit dem Glühwein, selbst, wenn man sich nicht verplappert: Es ist schier unmöglich, die richtige Trink-Temperatur zu erwischen. Und wenn er gerade ein klein bisschen weniger warm ist als zu heiß, muss man sich draußen am WeihnachtsmarktStand auch schon wieder beeilen, ehe er zu kalt ist – was bei Temperaturen meist um den Gefrierpunkt schnell passiert ist.

Was wohl nur die wenigsten wissen: Es gibt eine gesetzlich vorgeschriebene Temperatur, zu der Glühwein aufgewärmt werden soll: zwischen 72 und 73 Grad Celsius. Wird es viel heißer, verliert das Getränk sein Duftaroma – und ab einer Temperatur von 78 Grad entweicht außerdem der Alkohol. Längst gibt es aber sehr leckere und unterschiedlichste Alternativen zum Glühwein – die UrbanoRedaktion hat schon mal vorgekostet.

KURZ UND ZIMTIG:DIE HEISSE WITWE

Die Österreicher kennen sich ja aus mit Winter, Schnee und Kälte. Und so wundert es nicht, dass unsere Après-Ski-erprobten Nachbarn manches Wintergetränk kreiert haben. Die ‚Heiße Witwe‘ etwa, ein Shot bestehend aus heißem Pflaumenlikör, Schlagsahne und Zimt. Schmeckt garantiert nicht nur auf der Hütten-Sause.

TRADITIONELL UND DOCH MODERN: GLÜH-GIN

Auch, wenn Glüh-Gin, die Wintervariante des so beliebten Gin Tonic, ein echtes In-Getränk ist: Heißer Gin hat Tradition und wurde etwa in England schon vor 400 Jahren auf den Frostjahrmärkten auf der zugefrorenen Themse kredenzt. Beim Glüh-Gin muss das Tonic Water ersetzt werden, am besten durch eine Mischung aus Apfel- und Orangensaft. Als Botanicals bieten sich eine Zimtstange und eine Vanilleschote an, zur Deko gerne eine Orangenscheibe.

FÜR BIER-LIEBHABER: GLÜHKRIEK

Das heiße Kirschbier hat vor einigen Jahren einen kleinen Triumphzug über die Weihnachtsmärkte vollzogen. Nicht so süß wie Glühwein, dafür milder und weicher und mit der Bier-typischen Schaumkrone versehen, ist das Glühkriek eine interessante Variante zum Glühwein.

FÜR DIE HAFENBAR: DAS RUMTÖPFCHEN

Man stellt sich die peitschende Nordsee vor, einen grummelnden Mann mit Friesennerz, Rauschebart und Pfeife im Mundwinkel. Man stellt sich vor, wie man diesen Mann nach einem stundenlangen winterlichen Strandspaziergang in einer Hafenkneipe sieht und der mit einem Löffel in einer Tasse rührt. In der Tasse ist dann ein Früchtetee mit frischem Thymian, braunem Zucker, weißem Rum und Orangenscheiben.

DIE GESCHMACKS-EXPLOSION: BOOZY WHITE HOT CHOCOLATE

Die Boozy White Hot Chocolate, man könnte auch sagen ‚Beschwipste weiße heiße Schokolade‘, ist eine Geschmacksexplosion, ein wirklich überraschender Drink und eine Kalorienbombe zugleich: Zur heißen weißen Schokolade kommt noch Haselnusslikör, Muskatnuss und Zimt.

FÜR PURISTEN: HOT FIREBALL APPLE CIDER COCKTAIL

Ein Cocktail, der aus vier Wörtern besteht – und aus nur vier Zutaten, drei davon mit Alkohol. Apfelwein, Fireball Whiskey, Vanillewodka und ein wenig Zucker lassen einen fruchtigen, aber dennoch winterlich schmeckenden Drink entstehen.

DER AMERIKANISCHE TRAUM: EGGNOG

Wieso eigentlich hat sich der Eggnog bisher eher in englischsprachigen Ländern durchgesetzt und noch nicht so sehr bei uns? In den USA zählt diese besondere Variante des Eierlikörs zu einem echten Winterklassiker, der vor allem traditionell an Weihnachten getrunken wird. Hier wird der Eierlikör mit Puderzucker, Weinbrand, Muskatnuss und Zimt verfeinert.

Sven Platen