Die Wünsche, die Francoise Hümbs in ihrem Atelier erfüllt, sind aus bauschigem Tüll und zarten Spitzen in den Farben Creme und Champagner. Die Schneiderin und Designerin hat sich auf Brautmode spezialisiert. Aber sie erfüllt auch Wünsche nach einem besonderen Hosenanzug oder Kleid. Jedes Stück ist ein Unikat.
Es ist doch so: Wenn die Braut sich nicht rundum wohl fühlt, wird die Hochzeit nicht zu einem ihrer schönsten Tage im Leben. Ein wesentlicher Faktor dafür ist das Kleid, das sie nicht nur wunderbar aussehen lassen, sondern gleichzeitig wie eine zweite Haut sitzen muss. Nirgends darf es ein Störgefühl geben – egal, ob es sich um ein puristisch geschnittenes Modell aus fließendem Soft-Pünktchen- Tüll mit Kordelspitze handelt, um einen modernen Hochzeitsanzug im Boho-Stil oder um eine aufwendige Robe mit Corsage für den großen Auftritt.
Dass die Kleider so gut sitzen, liegt an der Handarbeit. Natürlich schneidert Hümbs sie passgenau auf die Körpermaße der Kundin. Während die langen Nähte auf der Maschine gemacht werden können, bringt sie Perlen, Spitze und Blüten mit der Hand auf. Oft sitzt Hümbs bis in den Abend an der Arbeit. „Dabei läuft der Fernseher“, sagt sie.
Schon als Kind hat sie für ihre Puppen Kleider gefertigt. „Bei meiner Mutter und meiner Oma habe ich das Schneidern gelernt“, sagt die 62-Jährige. Und dann waren da auch die Nachbarinnen ihres Elternhauses in den Niederlanden, die beide gelernte Schneiderinnen waren. „Bei einer habe ich immer gesessen und geschaut“, erinnert sich Hümbs.
Eigentlich wollte sie an der Modeschule studieren. Dafür war aber eine Ausbildung als Schneiderin Voraussetzung. Also ließ sich Hümbs auf die Warteliste setzen, während sie ihre Lehre absolvierte. Schließlich hat sie nach der Ausbildung an der Maria-Lenssen-Schule in Mönchengladbach Bekleidungstechnikerin und Gestalterin gelernt. „Dann habe ich kurz gearbeitet und wollte mich selbstständig machen“, erzählt Hümbs. „Aber dafür brauchte ich auch den Meisterbrief.“ Also hat sie den gemacht.
Heute blickt sie in ihrem Atelier an der Franz-von-Galen-Straße auf 38 Jahre Selbstständigkeit zurück. In den Kleiderschränken der Kundinnen, die sie schon über 30 Jahre begleiten, finden sich neben Roben auch Hosenanzüge, Kostüme und Sommerkleider aus dem Hause Hümbs Couture. „Wenn ich die Kundinnen strahlen sehe, wenn ein Kleid perfekt sitzt, das ist für mich das schönste Gefühl“, sagt Hümbs.
Auch wenn ihre Liebe den edlen Stoffen gilt, macht sie einmal im Jahr einen Ausflug in ein ganz anderes Metier: Jedes Jahr schneidert sie für die Karnevalsgruppe ‚Die Pulvermeister‘ zwei bis drei Kostüme. In diesem Jahr wurde Oberbürgermeister Felix Heinrichs von ihr als Muppet-Frosch Kermit eingekleidet. Aber das ist nur ein Bonbon für die Zeit außerhalb der Hochzeitssaison.
Garnet Manecke




