Immer mehr Mädchen und Frauen spielen Fußball – zum Glück

Im Sommer 1995, als Borussia Mönchengladbach mit Stefan Effenberg, Martin Dahlin und Co. den DFB-Pokal gewonnen und zu einer der besten deutschen Fußball-Mannschaften gezählt hat, gab es im Verein nahezu unbemerkt ein anderes epochales Ereignis: die Gründung der Frauen- und Mädchenabteilung. Die Frauenmannschaft startete in der Kreisliga, die U16 und später die U14 ebenfalls in der untersten Spielklasse. Für die Spiele musste man damals ganz schön weit fahren – fast alle Vereine in der Nachbarschaft boten nur Fußball für Jungs und Männer an.

Das hat sich heute, 30 Jahre später, zum Glück geändert, was man unter anderem beim ‚Girls‘ Day‘ im Mönchengladbacher BORUSSIAPARK beobachten kann. Borussia, einer der größten Frauen- und Mädchenfußballklubs der Gegend, lädt die Vereine der Umgebung ein: zu mehreren Jahrgangs-Jugendturnieren, zu Geschicklichkeitsund Dribbelparcours und zum Spiel der Ersten Frauenmannschaft, die mittlerweile in der Zweiten Bundesliga spielt.

An Tagen wie diesen spürt man: Der Frauenfußball ist endlich ein Stück weit raus aus der Nische. Natürlich, die ganz große Aufmerksamkeit liegt beim Männerfußball und auch das ganz große Geld. Aber: Immer mehr Menschen verstehen und akzeptieren das Selbstverständliche: dass Mädchen und Frauen eben auch Fußball spielen können – und vor allem dürfen sollten.

Denn es ist kaum zu glauben, aber der Deutsche Fußballbund hat das Spielen von Frauenfußball erst 1970 offiziell erlaubt (natürlich hatte es vorher Frauen gegeben, die heimlich gespielt haben). Und auch danach war und ist es ein weiter Weg. Beispiel: Noch 1989 haben die Spielerinnen der Deutschen Nationalmannschaft für den Gewinn der Europameisterschaft vom DFB Folgendes bekommen: ein Kaffeeservice – und ein Bügelbrett.

Das interessiert die vielen Spielerinnen von Borussia Mönchengladbach nicht, vom ASV Süchteln oder von den Sportfreunden Neuwerk. Vom FSC Mönchengladbach, von Rhenania Hinsbeck, dem SC Hardt bis hin zum FV Mönchengladbach. Sie spielen Fußball, weil sie es lieben und das zum Glück weitaus weniger belächelt als noch vor einigen Jahren. Die teilweise sehr gute Trainingsarbeit in den lokalen Vereinen, aber ganz sicher auch Erfolge wie der Gewinn der Deutschen Meisterschaft der Gladbacher U17-Juniorinnen im vergangenen Jahr sorgen allesamt dafür, dass es immer weiter raus geht aus der Nische.

Und dass Mädchen stolz sind auf ihr Hobby, dass sie sich gleichberechtigt fühlen, dass sie den Sport auf ihre Weise – mit geflochtenem Zopf wie Nationalspielerin Giulia Gwinn und manchmal auch mit grell-pinkem Haarband – zelebrieren. ‚Vergiss das Krönchen‘, war zuletzt auf einem Sportplatz auf einem T-Shirt zu lesen. ‚Diese Prinzessin trägt ein Fußballtrikot‘.

Sven Platen