Wie so viele andere Dinge auch, hat sich das Flirten im digitalen Zeitalter verändert. Wobei: Die Grundregeln sind immer noch dieselben.
Flirten, das lässt sich unbestritten behaupten, hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Fatalistisch formuliert: Wer heute durch die Straßen schlendert, ist mit seinen Augen eher auf dem Display seines Smartphones, um durch Dating-Apps zu scrollen, als auf der Suche nach echtem Blickkontakt mit Menschen, die einem zufällig begegnen. Statt einem Zettel oder Bierdeckel, den man einer interessanten Person am Ende eines Abends in der Bar schüchtern auf den Tisch legt, schreibt man heute jemanden per Direct Message online an. Und die freundschaftlich-zarte zufällige Berührung im Vorbeigehen wurde von verschiedenen Social-Media-Apps schon vor Jahren wahlweise durch Gruscheln, Anstupsen oder Liken ersetzt.
Dies soll aber kein Text werden nach dem Motto: Früher war alles besser. Aber anders. Wobei: Die Grundregeln des Flirtens sind immer noch dieselben. Es geht damals wie heute darum, jemandem auf lockere und ungezwungene Weise seine Zuneigung zu zeigen – und natürlich auch darum, sich selbst möglichst positiv ins rechte Licht zu rücken. Nur: Die Werkzeuge sind eben andere, und die Bühne ist digital.
Konnten Charmeure damals beim ersten Eindruck im Vorbeigehen vor allem durch Gestik und Mimik punkten, geht es heutzutage bei Dating-Apps, Tinder, Instagram und Co. um andere Dinge. Man sieht den anderen und seine Reaktionen nicht, kann Ironie kaum erkennen – und man kann nicht mit Persönlichkeit punkten, sondern muss sich mühevoll in sein Herz schreiben. Auch, weil die Konkurrenz ungleich größer ist. Denn ob Flirtwillige online wirklich nur die Liebe ihres Lebens anschreiben oder doch eher nach dem Staubsauger- Vertreter-Prinzip agieren und regelrechte Massenanfragen starten, muss berücksichtigt werden.
Allgemeines Anschreiben mit einem simplen ‚Hey‘ oder das Wiedergeben von abgehangenen Anmachsprüchen werden kaum zum Erfolg führen, genau wie kurze oder lieblos formulierte Antworten. Um ins Gespräch zu kommen und sich dann von der Masse abzusetzen. Haben Sie ausgefallene und witzige Hobbys wie Bananenbootfahren, machen Sie gerne Rucksack-Urlaub, was ist Ihr Lieblingstier oder haben Sie eine tolle Schallplattensammlung? Es geht darum, Interesse zu wecken und sich mit etwas Bleibendem von anderen abzuheben. Natürlich will auch das Profilbild gut gewählt sein – kann es doch eine Menge über die Person aussagen. Hier schlägt ein sympathisches, natürliches Bild bei den meisten Menschen das, über das zig Filter gelegt wurden und das aussieht wie aus einer PR-Broschüre.
Das sind alles Punkte, an denen man andocken und ins Gespräch kommen kann. Vor allem dann, wenn das Online- Profil des anderen ähnliche Hobbys und Gewohnheiten verrät. Wichtig ist, das Gespräch im Gange zu halten, am besten mit offenen Fragen – damit ein Chat eben nicht aufgrund von Belanglosigkeit einschläft. Die wichtigste offene Frage darf hierbei natürlich nicht vergessen werden: nämlich die alles entscheidende, ob man sich nicht im realen Leben treffen möchte.
Wichtig ist aber: bei all dem nicht übertreiben! Echtes Interesse am anderen zeigen und sich nicht zu sehr selbst darstellen. Und das gilt heute, und das galt schon damals: Kaum jemand mag einen Blender.
Sven Platen



