Ein Blick für Ästhetik und filigranes Arbeiten zeichnen das Goldschmiedehandwerk aus. In ihrem Atelier erfüllt Martina Misch individuelle Schmuckwünsche. Jedes Stück ist ein Unikat, das perfekt zu Trägerin und Träger passt. Bei manchen können die Kunden auch selbst Hand anlegen.
Meist erntet sie erst mal Erstauenen. „Ja, können wir das denn? Werden die nicht schief?“ sind die Reaktionen auf das Angebot, die Trauringe selbst zu schmieden. Seit 14 Jahren bietet die Goldschmiedin Martina Misch für Brautpaare einen Kurs an, in dem die an zwei Samstagen ihre Ringe herstellen – selbstverständlich mit der Hilfe des Profis. „Das ist immer eine sehr schöne Atmosphäre und hinterher ist das Paar glücklich und stolz auf das, was sie gemacht haben“, ist ihre Erfahrung mit diesem besonderen Teil der Hochzeitsvorbereitungen.
Aber natürlich möchte sich nicht jeder selbst an die Werkbank mit dem Beutel setzen, in dem beim Feilen der Gold- und Silberstaub aufgefangen wird. Viele Kunden kommen mit einer Idee, die mal sehr konkret ist, mal eher vage. „Im Gespräch finde ich heraus, was die Kunden möchten“, sagt Misch. Dass sie in ihrem ersten Berufsleben diplomierte Sozialpädagogin war, hilft ihr dabei. Weil ihr damals der kreative Anteil fehlte, entschloss sie sich zu einer Umschulung und wurde Goldschmiedin.
Ein Schmuckstück ist etwas sehr Persönliches. Wer neue Ohrstecker, eine Kette oder einen Ring möchte, hat dafür in der Regel einen Anlass. „Die Kunden erzählen dabei über sich“, beschreibt Misch den ersten Kontakt. Auch sie gibt von ihrer Persönlichkeit etwas preis. So entsteht ein Vertrauen, auf dessen Basis die Schmuckstücke entwickelt werden.
Ähnlich ist es, wenn Kunden Schmuck umarbeiten lassen möchten. Daran hängen oft Erinnerungen an eine geliebte Person oder ein besonderes Ereignis. „Was die Kunden wollen, nehme ich dann auf und entwickele es weiter“, sagt Misch. Aus der Idee wird eine Zeichnung, sodass die Kunden eine erste Vorstellung bekommen. Wenn alles passt, beginnt die Goldschmiedin mit ihrer Arbeit. Edelmetalle werden geschmolzen und in Form gebracht, es wird gefeilt und gelötet. Oft gibt es eine erste ‚Anprobe‘, bei der geschaut wird, wo ein Stein platziert werden soll oder ob das Schmuckstück richtig passt. Danach macht Misch die Feinarbeiten und stellt es fertig.
Es ist jedes Mal ein besonderer Moment, wenn die Kunden das kleine schwarze Kästchen öffnen und das Ergebnis sehen. Die Augen leuchten, die Gesichtszüge entspannen sich zu einem Lächeln, wenn aus zwei Eheringen ein Schmuckring geworden ist, die Kette mit den kleinen Perlen und dem Edelstein im Licht glänzt oder die Diamanten an den Ohrringen funkeln.
Was fasziniert sie an ihrem Beruf am meisten? „Dass ich etwas anfange und dabei der Entwicklung zusehen kann. Am Ende habe ich ein Ergebnis, das auch noch schön ist“, sagt Misch und ihre Augen strahlen dabei.
Garnet Manecke



