Die guten, alten Imbissbuden scheinen vom Aussterben bedroht: Ein insgesamt bewussteres Essverhalten sowie Dönerläden oder Sushi-Bars machen den Grills dieses Landes das Leben schwer. Schade eigentlich. Eine Liebeserklärung
Die Pommes frites brutzeln laut im Fett, die Hähnchen rotieren am Spieß mit dem Gyros um die Wette, und die beiden weiß bekittelten Angestellten hinter der großen Theke wirbeln mit Frittierkorb, Salzstreuer und Pappschalen umher. Meine Liebe für die klassische Pommesbude ist nicht rein kulinarischer Natur. Seit Kindheitstagen ist für mich schon der Gang zum Imbiss ein Genuss für alle Sinne und heute ein bisschen so, wie einen guten, alten Freund zu besuchen. Ob es der scheinbar endlos gefüllte große Mayonnaise- Spender ist, der großzügig, aber gekonnt gedrückt, das Currywurst- Fritten-Gericht veredelt. Der leuchtende Spielautomat in der Ecke oder aber die handgeschriebene Kreidetafel mit dem ‚Gericht des Tages‘ (wie immer: Spießbratenbrötchen) – eine Pommesbude ist ein Gesamtkunstwerk.
Nicht falsch verstehen: Auch ich greife gern beim Döner zu, in der Pizzeria, beim Chinesen. Auch ich habe mitbekommen, dass man sich weiß Gott gesünder ernähren kann und dass Sushi, Bowls oder vegetarische Wraps gesünderes Fast Food darstellen. Aber das Erlebnis, eine schöne, knusprige, salzige Portion Pommes in der Pappschale mit Holzgäbelchen serviert zu bekommen ist für mich wirklich unschlagbar. Und auch nicht zu ersetzen durch Angebote wie ‚Loaded Fries‘ mit Parmesan, Rucola oder Trüffel-Raspeln, verkauft in durchgestylten Hipster-Lokalen zu astronomischen Preisen. Mit Sorge beobachte ich, wie immer mehr klassische Buden schließen. Die kulinarische Konkurrenz wird größer, das Essverhalten bewusster, und vielleicht passt dem ein oder anderen auch das Ambiente dort nicht. Ich behaupte das Gegenteil und feiere die Old- School-Pommesbude mit grünen Fliesen an den Wänden, dunklen Holz-Stehtischen, lautem Currywurst-Häcksler und ehrlichen Namen wie ‚Brutzelstube‘, ‚Imbiss am Eck‘ oder ‚Helgas Grill‘. Weil sie sich auf das beschränkt, was sie sein soll. Ohne Chi-Chi, hier gibt es eine Garantie, satt zu werden, und das für meist wenig mehr als zehn Euro.
Ein zuverlässiger Begleiter für den Alltag, für zwischendurch, egal ob in der Mittagspause, nach der Arbeit oder am Wochenende. Wer etwas haben will, der stellt sich an, kommt irgendwann dran und beobachtet schweigend gemeinsam mit den anderen in der Reihe, wie die auf einem kleinen Block notierten Bestellungen routiniert zubereitet werden. Schaschlik, Frikadelle, Schnitzel, Currywurst, viermal Fritten rot-weiß, dazu noch einen Krautsalat fürs gute Gewissen (natürlich mit Sahne) – fertig ist das Abendessen. Eingepackt in Papier, ausgepackt wird zu Hause von der glücklichen Familie. Am glücklichsten aber bin ich – denn ich habe mal wieder einen guten alten Freund besucht.
Sven Platen




