Woher kommt die Vorstellung, eine Schmiede sei immer dunkel und dreckig? Wer die Halle von Elmar Fervers betritt, wird erstaunt sein: viel Platz, helle Wände und Oberlicht zeichnen sie aus. In einem der drei Kamine lodert ein Feuer. Elmar Fervers nimmt gerade mit einer Zange ein Metallstück aus der Flamme, legt es auf den Amboss und haut mit einem Hammer immer wieder kräftig darauf.

Heute ist ein Tischlerlehrling bei ihm zu Besuch, der für sein Gesellenstück die Beschläge selbst machen möchte. „Dabei darf ich mir helfen lassen, weil ich die Beschläge sonst fertig kaufen würde“, sagt der junge Mann. Aber er möchte, dass das ganze Werkstück von ihm gemacht wurde. Dass er in der Schmiede auf diese Weise noch etwas Neues dazulernt, ist ein angenehmer Nebeneffekt.

Es kommt gar nicht so selten vor, dass Elmar Fervers Interessierten zeigt, wie sein Handwerk funktioniert. In Basiskursen gibt er einen Einblick in die Arbeit des Schmieds. Das können die Teilnehmenden auch selbst ausprobieren. In seinen Messerkursen wird ein Messer gemacht und in den Damastschmiede- Kursen werden die kunstvollen Messer mit den berühmten Mustern gearbeitet. Während am Basiskurs auch Familien mit Kindern teilnehmen, sind in den Messerkursen hauptsächlich Männer dabei. „Das ist eigentlich schade“, sagt Fervers. Denn auch Frauen könnten gut schmieden und seien stolz, wenn sie am Ende ihr selbst gearbeitetes Werkstück in der Hand halten.

Die Schmiede hat Elmar Fervers im Dezember 2019 von seinem Vorgänger Manfred Sachse übernommen. Seit 1962 wird in den ehemaligen Stallungen der 1928 erbauten Hofanlage in Geneicken geschmiedet. Fervers selbst ist über einen Umweg zum Schmieden gekommen. Zuerst hat er mit Holz gearbeitet. Ein Schmiede-Kurs brachte ihm das Handwerk näher. Das hat ihn so fasziniert, dass er das Handwerk gelernt hat. Heute macht er aus den Wünschen seiner Kunden geschmiedete Realität.

Ein Schwert, das eines mittelalterlichen Ritters würdig ist? Ein Drachen als Garderobenständer oder individuelle Kerzenleuchter? Elmar Fervers macht aus den Wünschen seiner Kunden Unikate. Gibt es da ein Limit? „Da ich allein arbeite, muss ich es allein tragen können“, sagt Fervers. Seine Kunst zeigt der Mann mit dem charakteristischen Bartzopf regelmäßig auf dem Maarfest im Quartier. Auch zum Hoftrödel im Viertel öffnet er seine Schmiede.

Dann zeigt er die imposante Sammlung an Zangen und Feilen, Hämmern und Stahlbürsten, die rechts und links neben der Feuerstelle hängen. Über der Werkbank hängen die Feilen griffbereit, Winkelmesser und Messschieber. Denn auch beim Schmieden können Millimeter über die Passform entscheiden. Zum Beispiel bei Beschlägen für ein Möbelstück.

Garnet Manecke