Ein Event, für das die ehemalige Jahrgangsstufe von überall in die Heimat zurückkehrt: eine Liebeserklärung an das Klassentreffen.
Eigentlich ist alles so wie früher. Wer früher albern war, ist es an diesem Abend immer noch. Die früheren Sportler stehen unter sich, die damaligen Beauty-Queens ebenfalls und auch das Klassensprecherteam – natürlich waren sie es, die dieses Klassentreffen organisiert haben. Zum Fünfjährigen wurden alle tatsächlich noch per Postkarte eingeladen, zum Zehnjährigen per E-Mail. Heute, 25 Jahre nach dem Schulabschluss, gibt es längst eine WhatsApp-Gruppe, die Terminsuche fand über eine entsprechende App statt.
Zeiten ändern sich, die Neugierde bleibt. Was ist eigentlich aus meinem früheren besten Kumpel geworden? Der, mit dem man ewige Freundschaft geschworen hat, bis sich die Wege dann doch getrennt haben. Und wie geht es meinem ehemaligen Sitznachbarn, bei dem ich immer in Mathe abgeschrieben habe? Und wie meinem damaligen Schwarm?
Nachdem sich unsere Jahrgangsstufe 2001 in die weite Welt verabschiedet hat, kehren nun alle für dieses Event zurück in den Heimatort. Aus Hamburg, aus Warschau, von der Mosel und einige auch aus der Nachbarschaft. Wenige Kilometer von der Schule entfernt in dem Partyraum, wo es früher schon auf Stufenfeten heiß her ging und wo man für einen Abend noch mal an der Uhr spielt, die Zeit ein Vierteljahrhundert zurückdreht und noch einmal jung ist.
Es beschleicht einen das Gefühl, dass es, je länger der Schulabschluss her ist, immer mehr um die wirklich wichtigen Dinge im Leben geht. Gab es beim Klassentreffen nach zehn Jahren nicht wenige, die gemäß der alten TV-Werbung mit ‚Mein Haus, mein Auto, mein Boot‘ mit dem bisher Erreichten geprahlt haben, so rückten derlei Statussymbole mit den Jahren immer weiter in den Hintergrund. Aus gutem Grund: Schon das 25-Jährige haben nicht mehr alle erlebt, manch einer kam sichtlich gezeichnet von einer schweren Krankheit.
Ein solches Wiedersehen hilft einem auch immer zu erkennen, was wirklich wichtig ist im Leben. Überhaupt da zu sein, im besten Fall gesund. Und von tollen Erfahrungen reden zu können, auf dem Handy Fotos von der Familie oder Freunden zu zeigen.
Zu später Stunde weiß der Stufen-DJ, was zu tun ist und legt routiniert die Hits von damals auf. Natürlich laufen die No Angels, Robbie Williams und der Party-Mix von Pur, bis der Abend mit einem perfekt passenden Klassiker endet, bei dem sich alle in den Armen liegen: „Those were the days, my friend.“
Sven Platen



