Im Herbst gibt die Vegetation noch mal alles. Bäume verfärben sich in goldenen Farben, die Sonne hat ein weiches Licht. Das Land bereitet sich auf den Winter vor. Wenn Tanja Neumann in Wald und Feld zieht, geht es ihr um mehr als eine romantische Stimmung. Die Wassenbergerin kennt die Kraft der Wildkräuter und anderer Pflanzen für den Menschen.

Räuchern – das hört sich danach an, ordentlich Dampf zu machen und starke Gerüche zu produzieren. Tanja Neumann kennt diese Vorbehalte. „Die meisten kennen Räucherstäbchen, aber das Räuchern hier hat gar nichts damit zu tun“, sagt die 51-Jährige. Düfte können die Stimmung beeinflussen und damit zum Wohlgefühl beitragen. Aber: „Die Duftwahrnehmung ist sehr subjektiv“, sagt sie. „Lavendel ist zum Beispiel nicht entspannend, wenn man Lavendel nicht mag.“ Auch die Art der Düfte ist entscheidend. Die Aromen von Duft- und Räucherkerzen sind oft chemisch hergestellt und daher verfälscht.

Anders ist es, wenn die Düfte von natürlichen Wurzeln, Harzen, Früchten, Hölzern, Samen oder Kräutern kommen. Je nachdem, welche Wirkung Neumann erzielen will, nimmt sie eine anregende oder beruhigende Mischung, die sie selbst herstellt. Auf einem Sieb, das auf einem Stövchen liegt, streut sie etwas von der Mischung aus. Darunter steht eine Kerze, deren Flammenwärme die Aromen freisetzt. Rauch entwickelt sich da nicht – es sei denn, sie will Rauch erzeugen.

Mit dem Räuchern hat ihre Leidenschaft für die Heilwirkung der Natur begonnen. 2009 begann sie, sich damit zu beschäftigen. Inzwischen hat sie das Zertifikat zur Kräuterpädagogin und bietet auch Kräuterwanderungen an. Auch wer wissen will, was alles Essbares im eigenen Garten wächst, kann Neumann buchen.

„Dass eine Pflanze eine Vegetationsperiode hat, ist vielen gar nicht bewusst“, sagt sie. Im Frühjahr gibt es junge Blätter und Blüten, im Sommer die Früchte und Samen und im Herbst werden die Wurzeln verwendet. Vieles lässt sich essen, zu Tinkturen und Salben oder als Zutat in Kosmetika und Seifen verwenden.

Die Wildkräuterwerkstatt bietet dazu verschiedene Kurse an. Dabei geht es neben der Bestimmung von Kräutern auch um die Zubereitung; beim Räuchern steht die Wirkung der Mischungen im Vordergrund. „Es geht immer um Körper, Geist und Seele“, sagt Neumann, die früher mit einem Buchhaltungsbüro selbstständig war. Die Teilnehmenden lernen, was ihnen guttut. Beim monatlichen Wildkräuter-Klatsch können Interessierte reinschnuppern und sich mit den Experten über die Themen austauschen.

Garnet Manecke

www.kraeuterwerkstatt-wassenberg.de