24 Gründe, sich nicht auf Weihnachten zu freuen. Eine Anti-Liebeserklärung mit Augenzwinkern – könnte aus der Feder des Grinch stammen

1. Endlose Fresserei

Lebkuchen und Spekulatius liegen schon seit September in den Regalen, Schoko-Nikoläuse, wohin man schaut: Schon in den Wochen vor Weihnachten wird man gemästet, was sich auf den Weihnachtsmärkten fortsetzt und an den Weihnachtsfeiertagen seinen kalorischen Höhepunkt erfährt.

2. Wham gefallen diese Schnulzen?

Nichts gegen traditionelle Lieder wie ‚Stille Nacht‘ oder ‚O du Fröhliche‘. Aber klebrige Schnulzen wie ‚Last Christmas‘ von Wham brennen sich auf unangenehmste Weise in den Gehörgang ein. Verständlich, dass ein britisches Ehepaar vor drei Jahren Geld gesammelt hat, um die Masterbänder der Aufnahmen zu kaufen und in einem Atomendlager zu entsorgen. Leider kam dabei nicht genug zusammen.

3. Dreaming of a white Christmas

Jede Wette – an den Weihnachtstagen ist es zwölf Grad warm und es regnet. Dreaming of a white Christmas? Träumen Sie weiter!

4. Dieser Stress!

Adventssingen, Geschenke basteln, Treffen auf dem Weihnachtsmarkt und jeden Tag eine neue Geschichte für den Wichtel, der den Kleinen zuliebe im Haus eingezogen ist – kein Tag, kaum eine Stunde vergeht im Dezember ohne Stress oder wildes Organisieren. Ein Leben wie im weihnachtlich dekorierten Hamsterrad.

5. Die große Geschenke-Lüge

Dieses Jahr schenken wir uns aber wirklich nichts! Jeder, der diesen Satz hört, sollte gewarnt sein. Denn wenn man sich am Ende an die Absprache hält und wirklich kein Präsent für den Schwiegervater hat, kann das natürlich dazu führen, dass man ziemlich doof da steht, wenn das Gegenüber einen mit einem picobello verpackten Geschenk anlächelt und sagt: „Komm, wir haben uns doch bisher immer was geschenkt!“

6. Blinkende Weihnacht überall

Es blinkt und leuchtet überall. Mag die Weihnachtsbeleuchtung in den Innenstädten ja noch als geschmackvoll und atmosphärisch durchgehen: Die übertriebene, energieraubende, viel zu bunte und blinkende Beleuchtung in den Wohnsiedlungen erinnert bisweilen eher an ein Flughafen-Rollfeld als an ein stimmungsvolles Lichtermeer.

7. Mein Freund der Baum ist tot

Komm, wir schlachten uns einen Baum! Ein Brauch, der ganz offensichtlich aus einer Zeit kommt, in dem noch nicht so sehr über unseren ökologischen Fußabdruck nachgedacht wurde, ist nicht mehr zeitgemäß.

8. Leise rieselt der Kitsch

Die hölzerne Weihnachtspyramide, die rosa Kugeln und die golden gelockten Plastik-Engel auf dem Dach – Weihnachtsdeko ist doch einfach nur kitschig. Dinge, die man sich an elf von zwölf Monaten niemals ins Wohnzimmer stellen würde, werden aus der Abstellkammer geholt und großflächig verteilt. Bezeichnend, dass man den ‚Kram‘ schon am 27. Dezember nicht mehr sehen kann und wieder zurück in die Kartons packt.

9. Zimtzicke

Warm, würzig und süß soll Zimt sein und ist auch ganz sicher ein ehrenwertes Gewürz. Es ist aber eines, dem man in der Weihnachtszeit kaum entkommen kann – selbst Bratensoßen und Gemüse werden durch Zimt weihnachtlich – und damit für mich nahezu ungenießbar.

10. Kitsch und Kommerz

Das Konzept Weihnachtsmarkt kurz und knapp zusammengefasst? Eintritt bezahlen, um viel zu viel Geld für Essen, Getränke und allerhand Nippes ausgeben zu müssen und sich durch mies gelaunte Menschenmassen zu schieben.

11. Scheinheilige Weihnacht

Proppenvolle Kirchen an Heiligabend und am 1. Weihnachtsfeiertag? Das ist scheinheilig. Wer das ganze Jahr über nicht in die Kirche geht und nur an Weihnachten ‚für das gute Gefühl‘ ins Gotteshaus geht, inszeniert vielleicht etwas.

12. Schädelbrummen

Natürlich muss auch über das prominenteste Weihnachtsgetränk geredet werden: Glühwein, was nichts anderes ist als billigster Rotwein aus Tetra-Packs, geschmacklich noch so gerade gerettet durch Gewürze und angeboten für fünf Euro auf dem Weihnachtsmarkt. Eigentlich indiskutabel. Aber vielleicht auch notwendig, um sich das ganze Elend schön zu trinken.

13. Firmen-Weihnachtsfeier

Der Dezember, so ein geflügeltes Wort, hat mehr Weihnachtsfeiern als Tage. Ein Fünkchen Wahrheit steckt drin, und auf was man am ehesten verzichten kann, ist sicherlich die Firmen-Weihnachtsfeier. Der Chef ist übertrieben gut gelaunt, das bestellte Pizzablech für alle zu wenig, und gewichtelt wird am Ende auch noch. Und das Schlimmste: Das alles findet außerhalb der Arbeitszeit statt.

14. Familien-Overload

Wie trifft man möglichst viele Verwandte mit möglichst geringem logistischem Aufwand? Wie organisiert man möglichst gutes Essen, ohne die ganze Zeit in der Küche stehen zu müssen? Und wie entgeht man beim ‚Fest der Liebe‘ festgefahrenen Positionen bei immer gleichen Familien-Diskussionen? Frage für einen Freund.

15. Ach, früher!

Weihnachten macht viele Menschen depressiv. Weil früher alles besser war, weil geliebte Menschen noch da waren oder das Leben einfacher. An Tagen wie Weihnachten werden solche Erinnerungen lebendiger.

16. Der Zauber der Weihnacht

Die Spendengalas im Fernsehen und das freundliche Winken vom älteren Herren gegenüber sollten mich eigentlich nicht stören – kommen mir in der Weihnachtszeit aber wahnsinnig unecht und aufgesetzt vor. Oder anders gesagt: Warum geht ein vernünftiges Miteinander nur an Weihnachten?

17. Verpackungs-Wahnsinn

Wenn die Papiermülltonne nicht ausreicht, dann ist die weihnachtliche Materialschlacht mal wieder eskaliert – und wir sollten uns Gedanken darüber machen, welchen Müllberg wir nach dem frohen Fest so hinterlassen.

18. Was auf den Tisch kommt

Jeder Haushalt hat seine eigene kulinarische Weihnachtstradition. Aber ich bin ehrlich: Ich kann keine Ente und keine Klöße mehr sehen – und schon gar nicht mit brauner Soße.

19. Der Adventskalender

Sorry, aber mich spricht weder ein Kalender mit Billig-Schokolade an – und auch kein Produkt, bei dem sich hinter 24 Türchen 24 Mini- Parfüms befinden, 24 Lego-Figuren oder 24 schlüpfrige Accessoires. Der Adventskalender ist nichts anderes als die Ausweitung der Weihnachts-Kommerzialisierung.

20. Der Ugly Christmas Sweater

Okay, wenn wir schon Weihnachten feiern müssen – wieso dann mit einer vollkommen unerklärlichen Tradition aus den USA? Sich hässliche Strickpullover anzuziehen, kommt immer mehr in Mode – und erschließt sich mir immer weniger.

21. Das Plätzchen-Massaker

Schon einmal Weihnachtsplätzchen mit kleinen Kindern gebacken? Nein? Okay, man stelle sich ein Inferno aus Backteig, Mehl, Zucker und Zimt in der Küche vor und vollkommen eingesaute Kinder. Die im Übrigen nach dem zweiten Blech Kekse ausstechen die Lust verlieren und lieber Fernsehen. Die letzten zehn Bleche dürfen dann Mama und Papa backen. Und natürlich die Küche generalüberholen.+

22. Die Kunst des Schenkens

Einfach einen Wunschzettel abarbeiten? Oder kreativ werden, dabei aber gnadenlos danebenliegen? Schenken und beschenkt werden sind die beiden Königsdisziplinen – vor allem die richtige Reaktion auf ein Geschenk, das einem doch nicht gefällt. Eine Konfliktgefahr, der man gerne entkommt.

23. ‚Stille‘ Nacht

Wer kommt Weihnachten zur Ruhe? Eben. Nichts ist mit der vielfach besungenen ‚Stillen Nacht‘.

24. Happy End

Das Beste an Weihnachten? Ist, dass es irgendwann ja auch vorbei ist. Und, ich gebe es ja zu, dass es schön ist, wenn Menschen nett zueinander und glücklich sind. In diesem Sinne: Frohes Fest!

Sven Platen