Man trifft sich, um gemeinsam kaputte Dinge zu reparieren. Nachbarschaften teilen sich Gartenwerkzeug. Und wieder andere tauschen Klamotten, die noch gut sind. Wenn überall die Preise steigen und Ressourcen knapper werden, werden Menschen erfinderisch – gut so.
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Die Astschere für den Garten wird nur zweimal im Jahr benutzt, genau wie der Laubsauger und die Handkreissäge. Natürlich geht wenig über einen gut sortierten Schuppen im Garten. Und Haben ist immer noch besser als Brauchen. Immer mehr Nachbarschaften und Freundeskreise einigen sich auf eine gemeinschaftliche Nutzung selten benötigter Geräte – das spart Geld, Platz und Ressourcen. Vor allem online kann man immer mehr Elektrogeräte leihen, auch Carsharing ist weiter im Kommen.
Tauschen
Schon einmal auf einer Kleidertauschparty gewesen? Wohl jeder hat dieses eine Teil im Schrank, das noch fast neu ist – das man aber eigentlich als Fehlkauf bewerten würde, weil man es nicht gerne anzieht. Oder zu oft anhatte und nicht mehr sehen kann. Bei Kleiderpartys bringt jeder eben solche Kleidungsstücke mit – und tauscht mit anderen. Das macht Spaß und kostet nichts. Besonders weit verbreitet sind Tauschkreise von Kindersachen. Man kann gar nicht so schnell shoppen, wie die Heranwachsenden aus ihrer Kleidung herauswachsen. Das geht ins Geld. Es sei denn, man befindet sich in einem solchen Tauschring, bei dem man zu klein Gewordenes weitergibt – dafür von Bekannten Passendes geschenkt bekommt. Auch Spielsachen und Bücher werden vermehrt getauscht.
Retten
Überschüssige Lebensmittel, Bananen mit braunen Stellen oder knapp abgelaufene Speisen werden in Foodsharing-Gruppen erst im Supermarkt gerettet – und anschließend an die Mitglieder in diesen meist über WhatsApp organisierten Gruppen verteilt. Apps wie ‚Too Good To Go‘ zeigen Bäckereien, Cafés und Restaurants in der Nähe an, die am Ende des Tages Essen günstig anbieten, das sonst entsorgt werden muss. Das alles unter dem Motto: Rette Lebensmittel vor der Verschwendung.
Reparieren
In Reparatur-Cafés herrscht eine wunderbare Atmosphäre: Menschen kommen aus Überzeugung zusammen. Was kaputt ist, gehört nicht sofort auf den Elektroschrott, sondern sollte repariert werden. Hier treffen begeisterte Tüftler, die zeigen können, dass sie einen alten Staubsauger reparieren können, auf staunende Menschen, die ihre lieb gewonnenen, aber nicht mehr funktionstüchtigen Geräte mitbringen, in der Hoffnung, dass man sie zum Leben erwecken kann. Und während Letztere bei einer Tasse Kaffee warten, diskutieren die ehrenamtlichen Schrauber, wie das Gerät wieder flott gemacht werden kann. Das spart Geld, Ressourcen und bringt Menschen zusammen – genau wie das buchstäbliche Aufmöbeln von Dingen, die andere auf den Sperrmüll stellen, mit einem neuen Anstrich aber eine ganz neue Wirkung erzielen und so ‚ein zweites Leben‘ bekommen.
Sven Platen



