Ich kann mich grundsätzlich in keiner Weise über mangelnde Ordnung in unserem Haushalt beschweren. Wenn es dann aber dennoch mal ein Problem mit der Auffindbarkeit eines Gegenstandes gibt, liegt es in der Regel daran, dass nur und ausschließ- lich meine Frau diejenige ist, die allein des Rätsels Lösung kennt. In unseren Besteckschubladen schmiegen sich die Löffelchen aneinander und jeder noch so selten benutzte Gegenstand hat seinen angestammten, unverrückbaren Platz in einer der vielen Schubladen, Schränke oder Regale. Das entsprechende Inhaltsverzeichnis oder die Inventarliste existiert, ähnlich dem Da Vinci Code, streng geheim und bislang nie veröffentlicht, exklusiv im Kopfe meiner Frau. Wenn ich am Wochenende grille, bin ich meist aufgeschmissen und muss tausend Fragen stellen: „Wo sind die Hummerzangen? Wo ist der feuerfeste Wickeldraht für den Burgunderbraten? Wo ist das Wagyu Thermometer …?“
Kritisch und gesundheitlich bedenklich wird es dann, wenn ich planlos das erstbeste, greifbare Küchenhandtuch in Waschbeckennähe benutzt habe, um mir beispielsweise die Hände abzutrocknen. „Du hast dir jetzt nicht gerade mit dem Handtuch die Hände abgetrocknet?!“ „Doch, das lag da …“ Ein eklatanter Fehler meinerseits, gibt es doch bei uns für die verschiedensten Verwendungszwecke entsprechend unterschiedliche Gebrauchstextilien. Ich war wohl fälschlicherweise an das Polierhandtuch für Grauburgunder Gläser, Chardonnays und rheinische Rieslinge geraten (das ähnelt dem für stille Wasser und naturtrüben Kernobstsäften aus EU-Herkunftsländern ungemein). Meine Parade-Verfehlungen finden auf dem Gebiet der unsachgemäßen Verwendung von Spüllappen statt. Auf diesem Terrain bin ich meist auf ganz dünnem Eis unterwegs. Neulich habe ich zum Reinigen einer Hühnertränke einen Lappen verwendet (der lag halt da), der laut Aussage meiner geliebten Frau ausschließlich für den Verwendungszweck der Vorreinigung von Tafelgeschirr vor dem Einräumen in die Spülmaschine vorgesehen ist. Woher soll denn ich so etwas wissen?!
Auch bei der Benutzung von Handtüchern im Bad denke ich stets pragmatisch: Ich nehme nach dem Duschen immer das Handtuch, das oben auf dem Stapel liegt. Fehler! Mir mangelt es am Differenzierungsvermögen zwischen Bunt- und Kochwäsche – Hauptsache, es duftet nach Lenor und ist schön flauschig. Da war doch früher die unverkennbare Unterscheidung von Waschlappen mit dem aufgestickten A für Antlitz und G für Gesäß deutlich einfacher.
Beim Einsatz von Lappen in meiner Werkstatt bin ich am sichersten. Ob ich nun ein altes Smoking-Hemd, ein Hosenbein einer ausrangierten Jeans oder ein zerschlissenes T-Shirt in Nitroverdünnung tunke, um den Rasenmäher zu reinigen – Hauptsache, es riecht nach Lösungsmittel und es wird sauber. In diesem Milieu brauche ich auch niemanden zu fragen, wo sich was verbirgt. Hier finde ich selbst mit verbundenen Augen jeden Gegenstand, schließlich habe ich ihn ja persönlich dort abgelegt.
Eine schwere Zeit steht mir bald bevor, es geht in den Urlaub. Dann wühle ich wieder in den Tiefen der Strandtasche meiner Frau – auf der Suche nach der richtigen Sonnencreme. „Du hast dir jetzt nicht im Ernst meine Ringana Sun Screen auf die Plauze (umgangssprachlich: Bauch) geschmiert?!“
Nach einem erlebnisreichen Tag mit Badeaufenthalten in verschiedenen Buchten auf kleinen griechischen Inseln, genieße ich nachmittags einen Masticha Aperitif auf der Terrasse, während meine Frau das Bad belagert. Wenn sie dann endlich aphroditengleich die Treppe runterschwebt, um zur Taverne unseres Vertrauens aufzubrechen, geht für mich der nächste Ärger los: „Du willst doch wohl nicht mit dieser Hose essen gehen?!?“ „Was hast du gegen meine rote Speedo? Die ist doch mittlerweile trocken“. Ich hab’s nicht leicht, aber ich trag’s mit Fassung. Uns gehen jedenfalls so schnell nicht die Themen aus.
Bis bald. Schönen Urlaub!
Gregor Kelzenberg


